Jubiläums-Artikel in der Gießener Allgemeinen

Wiltrud Müller (l.) und Waltraud Wagner erzählen Pfarrer Gabriel Brand von den Anfängen der Andreasgemeinde. // Foto: hin
Wiltrud Müller (l.) und Waltraud Wagner erzählen Pfarrer Gabriel Brand von den Anfängen der Andreasgemeinde. // Foto: hin

Gelebte Nachbarschaft

Festgottesdienst zum 50-Jährigen der Andreasgemeinde

Gießen (hin). »Damals war alles noch Wald!« – Waltraud Wagner (83) und Wiltrud Müller (80) können sich gut an den Bau von Kirche und Gemeindehaus der evangelischen Andreasgemeinde erinnern. Am Sonntag feierte die Gemeinde ihr 50-jähriges Bestehen. Sie tat dies nicht allein, denn auch die katholische Nachbargemeinde St. Thomas Morus kann auf ihr 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Und weil man in Gießen-Ost ein reges Miteinander pflegt, waren auch Luther- und Wicherngemeinde in das Jubiläum einbezogen.

 

Gießener Allgemeine, 6.9.2017
Gießener Allgemeine, 6.9.2017

Den Festgottesdienst in der Andreasgemeinde gestalteten Pfarrer Gabriel Brand und Propst Matthias Schmidt.

Schmidt gab zu bedenken, dass Martin Luther und Thomas Morus Zeitgenossen waren, dass aber jeder den jeweils anderen wohl gerne »auf dem Scheiterhaufen« gesehen hätte. Sie seien gefangen gewesen in den konfessionellen Verhärtungen ihrer Zeit. Umso überraschter hätten Luther und Morus wohl reagiert, wenn sie die ökumenische Verbundenheit der beiden Gießener Kirchengemeinden hätten erleben können. Am Beispiel des Zolleintreibers Zachäus illustrierte der Propst, wie wichtig es sei, von seinen Mitmenschen beachtet zu werden. Er riet, den Blick auf Jesus nicht zu verstellen. Die Andreasgemeinde habe dies beherzigt und nach draußen geschaut. Sie habe Menschen aus der Sowjetunion und Siebenbürgen aufgenommen, als 1967 die Aussiedler kamen. Und sie tue es heute, indem sie Flüchtlingen und Menschen am Rande der Gesellschaft die Türen öffne.

 

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz erinnerte an die Tradition gelebter Nachbarschaft in Gießen-Ost. Dieser Geist der Gemeinschaft sei unvermindert wichtig im Zuge der rasanten Entwicklung des Stadtteils, sagte die OB – dies mit Blick auf Neubauten und Konversion ehemals militärischer Flächen.

 

Dekan Frank-Thilo Becher verglich die geografische Mitte von Kirche, Kita und Gemeindehaus im Anneröder Viertel mit einem Labyrinth. Egal, wie lange man geht, man kommt immer zur Mitte. Weitere Grußworte entboten der Direktor der Korczak-Schule, Dr. Matthias Fink, Pfarrerin Dorothea Söllig aus der thüringischen Partnergemeinde Schleusingen und Dr. Ruth Schünemann für die Luther- und Wicherngemeinde. Felix Hölscher (Orgel, Klavier) und die Andreas-Band sorgten für die musikalische Begleitung.

 

Dagmar Hinterlang

Quelle: Gießener Allgemeine, 6.9.2017