AnGEdacht im Frühling

Pfarrer Gabriel Brand // Foto: Schmidt
Pfarrer Gabriel Brand // Foto: Schmidt

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Es gibt diese Art Abende: Vorabende. Alles ist getan. Alles ist vorbereitet. Die Sachen gepackt. Die Wohnung aufgeräumt. Die Zeitung abbestellt. Die Nachbarn informiert. Ein letztes Telefonat.

 

Ich sitze da und warte. Die Gedanken hätten im Hier und Jetzt. Habe ich wirklich an alles gedacht? Ist wirklich alles erledigt? Ich atme tief durch, schaue nochmal auf die Liste mit all den ...

Gründonnerstag in der Andreasgemeinde // Foto: Scholz
Gründonnerstag in der Andreasgemeinde // Foto: Scholz

... Stichpunkten. Und dann gehen die Gedanken voraus: Morgen ist es also soweit. Morgen wird es beginnen, auf das ich mich so lang vorbereitet habe. - Eine Reise. Oder der Termin, der so entscheidend für meine weitere Zukunft ist. Oder dieser schwere Gang ins Krankenhaus, wo eine Operation auf mich wartet.

 

Aber noch sitze ich hier. Noch ist es nicht so weit. Noch ist es so, wie es immer war. Aber wird es jemals wieder so sein wie jetzt, an diesem Abend? Oder komme ich als ein ganz anderer zurück in dieses Haus, in diese Wohnung? Werde ich überhaupt jemals zurückkommen? Dieser Abend ist ein Abschied oder zumindest eine Zäsur. Es gibt ein Zuvor und es gibt ein danach. Ich stehe auf der Grenze.

 

Von einem Vorabend wird auch in der Bibel berichtet (Matthäusevangelium 26, 17 - 35). Jesus und seine Jünger sitzen zusammen. Es ist der letzte Abend vor seiner Verurteilung und Kreuzigung. Die Freunde sprechen miteinander. Letzte Dinge werden geregelt. Sorgen und Ängste geteilt. Versprechungen gemacht. Unausgesprochenes kommt auf den Tisch. Selbstbilder werden noch einmal zurechtgerückt: Judas ist der Verräter. Keiner will Jesus verleugnen. Petrus soll den Mund nicht so voll nehmen.

 

Und dann essen sie miteinander an diesem Abend. Das letzte gemeinsame Mahl mit Brot und Wein. So, wie sie es immer getan haben bei religiösen Festen, aber auch etwas bescheidener im Alltag. Allein unter sich oder mit Zöllnern, Sündern und den Pharisäern. Das ist es, was bleiben soll über den Tag morgen hinaus: die Erfahrung der Gemeinschaft bei Brot und Wein. Als Erinnerung an die unzähligen Begegnungen, bei denen sie die Liebe Jesu zu den Menschen erlebt haben. Und als Zeichen, dass Jesus auch nach seinem Tod unter ihnen ist. Dass er gleichsam immer mit am Tisch sitzt und sie seine versöhnende Gegenwart spüren, wenn sie in seinem Namen Brot und Wein teilen.

 

Es grüßt sie herzlich

 

Ihr Pfarrer

Gabriel Brand

 

 

 

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