AnGEdacht im Winter

2017: 50 Jahre Andreasgemeinde // Foto: Klaus-Richard Arnold
2017: 50 Jahre Andreasgemeinde // Foto: Klaus-Richard Arnold

Liebe Leserinnen und Leser,

 

mit der Advents- und Weihnachtszeit geht das alte Kalenderjahr langsam seinem Ende entgegen. Schon bald beginnt das neue Jahr 2017. Für uns als Kirche ist das ein besonderes Jahr: Wir feiern das 50-jährige Jubiläum unserer Gemeinde und das 500. Jubiläumsjahr der Reformation.

 

In unserer Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau steht das Jahr 2017 unter dem Motto: „Gott neu entdecken“. Dieses Motto bringt das Geschehen damals in Wittenberg vor 500 Jahren ganz gut auf den Punkt. Denn einen Ausgangspunkt der Reformation bildet 

Martin Luther // Foto: EKHN, C. Sommer
Martin Luther // Foto: EKHN, C. Sommer

tatsächlich eine Entdeckung. Martin Luther hatte wie viele seiner Zeitgenossen Angst, vor dem richtenden Gott nicht bestehen zu können und in die Verdammnis zu geraten. Dabei lebte er als Mönch ein Leben, das ganz auf Gott ausgerichtet war. Dafür hatte er eine glänzende Karriere als Jurist aufgegeben und das kärgliche Leben im Kloster gewählt. Neben der Angst und der Verzweiflung stieg in ihm auch Unwille und Hass gegen Gott und seine strafende Gerechtigkeit auf. Er erkannte: Niemals kann ich vor Gott bestehen, so sehr ich mich auch anstrenge. Das ist mir als Mensch völlig unmöglich.

 

Da machte Luther bei der Lektüre der Bibel eine Entdeckung: Die Gerechtigkeit Gottes ist keine Gerechtigkeit, die der Mensch vor Gott erlangen muss. Die Gerechtigkeit Gottes ist eine Gerechtigkeit, die er von Gott geschenkt bekommt, allein aus Gnade. Gott spricht den Menschen gerecht, Gott verleiht ihm Ansehen; nicht der Mensch sich selbst. Für uns evangelische Christen heute ist dies eine Selbstverständlichkeit geworden. Für Martin Luther war das eine befreiende Erfahrung. Aus Lebensangst entstand für ihn neue Zuversicht, aus der Höllenfurcht ein tiefes Gottvertrauen. „Hier fühlte ich mich völlig neu geboren und durch geöffnete Tore in das Paradies eingetreten zu sein.“, schreibt er im Rückblick viele Jahre später. 

Foto: EKHN, Rita Deschner
Foto: EKHN, Rita Deschner

Es ist für uns heute schwer, uns in Martin Luther hineinzuversetzen. Die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes beschäftigt uns nicht mehr in gleicher Weise. Aber das Vertrauen Luthers in die Liebe Gottes und die Lebenszuversicht, die daraus entspringt, ist ein bleibendes Erbe der Reformation. Das gilt es, immer wieder neu zu entdecken.

 

Ein gesegnetes neues Jahr 2017 wünscht Ihnen

 

 

Ihr Pfarrer Gabriel Brand

 

 

 

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