ANgeDACHT im Frühjahr

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Überliefert ist dieser prägnante Satz im Lukasevangelium (Lk 9,62).

Wahrscheinlich geht niemand von uns in diesen ersten Frühlingstagen hinaus aufs Feld um zu pflügen. Aber es ist doch völlig klar, was gemeint ist: Das Zurückschauen im Leben. Das Zurückschauen auf die Vergangenheit. 

Nun ist es damit eine durchaus ambivalente Sache. Denn schließlich kann man vom Zurückschauen, von den Erinnerungen zehren: in der Vergangenheit erfahrenes Glück, heilvolle Lebensmomente – manchem sind sie die Quelle, aus der man lebt.

Andererseits kann Erinnerung auch lähmen: wenn die Augen so sehr an Vergangenem haften, dass einem der Blick für das Hier und Jetzt fehlt. Wenn man nicht loskommt von dem, was war, und man nicht die Kraft aufbringt, nach vorn zu schauen.

Woher aber die Schärfe dieser Worte? Was ist denn so schlimm daran, wenn einer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut?

 

Mir fällt zweierlei ein: Wer beim Pflügen zurückschaut, der sieht auf das, was er bereits gepflügt, was er geschafft hat. Manchmal kann das richtig gut tun! Jedenfalls für den Moment. Einmal tief durchatmen und sich freuen. Vielleicht klopft man sich in Gedanken selbst auf die Schulter. Aber wer nicht aufpasst, der verliert dabei seine Aufgabe aus dem Blick, wird träge, bleibt versonnen stehen. Und dabei liegt doch noch ein Stückchen unbeackertes Feld vor einem. 

Pfarrer Gabriel Brand. Foto: Schmidt
Pfarrer Gabriel Brand. Foto: Schmidt

Und zweitens: Wer beim Pflügen zurückschaut, der hat eine schnurgerade Furche vor Augen, ausgetreten von den eigenen Schritten. Wer zurückschaut, der schaut auf Vertrautes, auf Dagewesenes, auf Umstände und Gegebenheiten, an denen scheinbar nichts zu rütteln ist. Das macht sicher. Aber es engt auch ein, wo der Blick für das Unerwartete, das Überraschende in der Zukunft verloren geht und es keine Erwartung und Hoffnung mehr gibt. Der Blick zurück – er wird da zum Problem, wo er mich blind macht für das, was kommt, was noch aussteht.

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ – Mit dem Theologen Eberhard Jüngel will ich die Forderung Jesu so verstehen: als Aufforderung, seiner Vergangenheit, all dem was war, „adieu“ zu sagen. Das heißt übersetzt: sie Gott anbefehlen. Sich selbst und sein ganzes Leben ihm anvertrauen.

 

Ihr Pfarrer Gabriel Brand 

 

 

 

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