ANgeDACHT in der Adventszeit

Das Thema Flüchtlinge stand im Mittelpunkt des letzten Gemeindebriefes. Noch immer ist es aktuell. Noch immer kommen jeden Tag unzählige Menschen bei uns an. Doch es hat sich etwas verändert. Die Kräfte vieler Helferinnen und Helfer sind erschöpft. Die Politiker arbeiten fieberhaft an Lösungen nach allen Richtungen, aber es geht nur langsam voran. In Dresden gehen wieder mehr Pegida-Anhänger auf die Straße. Der Ton wird rauer und aggressiver. Die Stimmung in Deutschland droht umzuschlagen. Im September noch überwog eine herzliche Offenheit. Jetzt

Foto: Pfeffer
Foto: Pfeffer

macht sich Skepsis breit: Wie wird es weitergehen, wenn immer mehr Flüchtlinge kommen? Muss es nicht Obergrenzen für den Zuzug geben? Es wird über Grenzzäune gesprochen. Zu allem Überfluss kommt jetzt auch noch der Winter – und Weihnachten.

„Es begab sich aber zu der Zeit...“, so beginnt die Weihnachtsgeschichte. Ich lese sie vor dem Hintergrund der zahllosen Flüchtlinge unserer Tage. Erzählt wird von einem jungen Paar, das sich in den Wirren ihrer Zeit auf den Weg macht, auf einen Weg ins Ungewisse. Die Frau ist hochschwanger. Als die beiden ankommen, gibt es für sie keinen Raum in der Herberge. Alles ist belegt. In einem Stall bringt die Frau ihren Sohn zur Welt, „wickelte ihn in Windeln und legte ihn eine Krippe.“

Wer an die Menschen denkt, die zitternd und frierend in Niederbayern ankommen und über die Autobahn irren, der ahnt, wie es Maria und Josef ergangen ist. Das hat alles nichts mit warmem Kerzenschein und Weihnachtsromantik zu tun. Da wird eine Notunterkunft zu einem Ort der Ruhe und Sicherheit nach einer langen Reise. Da ist der Beamte, der den Fingerabdruck nimmt, ein Engel. 

Die Weihnachtsgeschichte ist eine Geschichte tiefer Menschlichkeit und Humanität. Da öffnet jemand seinen Stall für ein armes Paar. Da kommen Hirten vom Feld zu Besuch. Da bringen Weise aus dem Morgenland Geschenke. Da wird ein Kind geboren und seine Eltern können sich ihm zuwenden. Dort wird Gott Mensch.

Damit sind die Probleme nicht verschwunden und auch politische Fragen nicht gelöst. Damals nicht und auch nicht heute. Das ist auch nicht das Ende der Geschichte. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird mit den Flüchtlingen und der Stimmung in Deutschland. Aber Momente der Menschlichkeit wahrzunehmen und zuzulassen, das ist das Gebot der Stunde zu Weihnachten.

Ihr Pfarrer Gabriel Brand 

 

 

 

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