Sabine Vosteen: Einst in Gettenau, nun in Rockenberg

© Annegret Rach
© Annegret Rach

Rockenberg/Butzbach (ara). Offiziell war der 1. Oktober ihr erster Arbeitstag als neue Pfarrerin von Griedel und Rockenberg. Erst zwei Tage zuvor waren die Umzugskisten aus Gießen angekommen. Doch wenn Sabine Vosteen von ihren beiden neuen Kirchengemeinden erzählt, hat man den Eindruck, sie sei schon lange da.

Vom Grün um die Rockenberger Kirche erzählt sie, vom Weg zum Griedeler Friedhof. Dass sie auch schon mal in Rockenberg einkaufen geht, weil es ihr wichtig ist, auch in der Gemeinde präsent zu sein, in der ihr Pfarrhaus nun mal nicht steht. Vor allem aber erzählt sie von Begegnungen mit Menschen. Offen und freundlich erlebt sie ihre neuen Gemeinden, »egal wo ich hinkomme«.

»Eigentlich ist sie ja schon seit September da« – Gemeindesekretärin Bianca Frisch schaut fröhlich, die Zusammenarbeit wirkt bereits eingespielt. Und richtig: Schon vier Wochen vor dem offiziellen Start übernahm Vosteen die neue Konfirmandengruppe – weil es ihr wichtig war, gemeinsam mit den neuen Konfis anzufangen.

Nun ist sie also Pfarrerin von Griedel und Rockenberg/Oppershofen, übrigens die erste Frau auf dieser Stelle, und sie fühlt sich an diesem Ort »richtig«. Gemeindepfarrerin ist sie mit Leib und Seele. Wenn sie am kommenden Sonntag in der Griedeler Kirche von Dekan Volkhard Guth in ihr neues Amt eingeführt wird, feiert sie gleichzeitig ihr 25-jähriges Dienstjubiläum.

Geradlinig war der Weg in diesen Beruf nicht – aber konsequent irgendwie schon. In Herborn ist Sabine Vosteen geboren, in Gießen aufgewachsen. In der Kinzenbacher Gemeinde spielte sie schon als Jugendliche die Orgel. Der damalige Gemeindepfarrer hat sie geprägt und blieb auch während des Studiums ein verlässlicher Ansprechpartner. Doch Theologie war nicht die erste Wahl, sondern die Musik, der noch heute ihre Liebe gehört: An der Frankfurter Musikhochschule studierte sie Schulmusik, außerdem Religion und Italienisch fürs Lehramt. Cello und Gambe spielt sie noch immer in zwei Ensembles für alte Musik, und auch die Posaune hat es ihr angetan. Das Musikstudium schloss sie 1983 ab. 

Doch dann merkte sie: Der Pfarrerberuf ist vielseitiger und »stimmiger« für das, was sie im Leben machen möchte. So ging es zunächst für zwei Jahre nach Italien. Sie studierte in Rom Theologie, zunächst bei den evangelischen Waldensern, danach auch ein Jahr katholische Theologie bei den Benediktinern. Nach weiteren vier Semestern in Heidelberg begann sie als Vikarin in Klein-Linden. Fünf Jahre war sie danach Pfarrerin in Gettenau und Bisses – eine Zeit, in der sie nicht zuletzt den Bau der Pfarrscheune begleitete. 

Dann zog es sie wieder nach Italien. Fünf Jahre war sie Pfarrerin in Terni/Umbrien, in einer italienischsprachigen Gemeinde. Dort machte sie auch Erfahrungen in der Gefängnisseelsorge. Zurück in Deutschland, übernahm sie für elf Jahre die Pfarrstelle in der Gießener Andreasgemeinde. Doch die wurde jetzt auf eine halbe Stelle gekürzt. Gut für die Griedeler und Rockenberger, die nach nur wenigen Monaten Vakanz wieder eine Gemeindepfarrerin haben. In eine theologische Schublade möchte die 54-jährige mit dem ungewöhnlichen Lebensweg nicht gesteckt werden. Dass Gott ein Wegbegleiter ist, ein Freund, der mitgeht – das ist es, was ihr wichtig ist und was sie den Menschen nahebringen möchte.

Der Einführungsgottesdienst mit viel Musik findet am 19. Oktober um 17 Uhr in der Kirche in Griedel statt.


Quelle: Wetterauer Zeitung, 15.10.2014



Bericht aus der Evangelischen Sonntagszeitung:

 

 

 

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