Von der Georgskapelle zur Andreaskapelle

Artikel von Pfarrerin Adelheid Ziemendorff zum 20. Gemeindejubiläum 1987

Pfarrerin Adelheid Ziemendorff
Pfarrerin Adelheid Ziemendorff

An einem nasskalten Tage Ende Dezember 1965 stand ein einsamer Arbeiter in dem ersten Entwässerungsgraben, den er gezogen hatte – mit den Stiefeln bereits wieder ganz im Wasser – an der Stelle des heutigen Andreas-Gemeindezentrums. Neben ihm die Pfarrerin. Der Blick ging über das weißlehmige Gemeindeterrain. Unzählige Wassertümpel; 11 kahle Eichen; ein mehrere Meter hohes, breites Lehmgebirge, nämlich der Aushub der Häuser Anneröder Weg 89 und 91; ein Bagger zum Zeichen, dass hier gebaut werden sollte.

Uns war aber gar nicht trostlos zumute, sondern recht fröhlich. Unser erstes Ziel war erreicht: Nachdem wir schon lange ein Gemeinde-Zentrum entbehrt hatten, war es nun mit viel Mühe und viel freundlicher Hilfe genehmigt, finanziell gesichert und heute begonnen!

Pfarrerin Adelheid Ziemendorff mit den Konfirmanden 1977
Pfarrerin Adelheid Ziemendorff mit den Konfirmanden 1977

Den eigentlichen Anfang hatten damalige Konfirmandeneltern gemacht. Sie waren besorgt um den weiten, im Winter dunklen Weg ihrer Kinder zu den Konfirmandenstunden auf dem Lutherberg. Auch der Weg zum Gottesdienst war für das immer wachsende Anneröder Viertel recht weit geworden. Wir gehörten damals noch zur großen Luthergemeinde mit deren Gottesdienststätte, der Kapelle auf dem alten Friedhof. Als eine Zwischenlösung hatte sich in den 50er Jahren die St. Georgskapelle aufgetan (auf dem heutigen Gelände der rechtswissenschaftlichen Fakultät). Es handelte sich dabei um eine Barracke im Besitz der katholischen Gemeinde. Wir durften dort im Anschluss an die Messe unseren Gottesdienst halten.

Es war jahrelang ein freundschaftliches ökumenisches Nebeneinander! Wir waren gern in der Georgskapelle. Wir haben viel Schönes in ihr erlebt! Auf die Dauer war es aber doch nur eine Barracke mit viel Notbehelf. Die Gemeinde hat treu ausgehalten in Kälte und Nässe (es regnete durch), sowie Lärm und Hitze im Sommer.

Es gab zu unser aller Erheiterung manch lustige Begleiterscheinungen: Der Altar diente gleichzeitig als Aufbewahrungsort für allerlei Tücher. Eine dorthin geflüchtete Katze erschien einmal in einem Weihnachtsgottesdienst beim Schlussgebet vor dem Altar, erschrak über das Vaterunser der Gemeinde und begleitete es mit lautem Klagegesang. Ein anderes Mal wollte der Organist nicht spielen: Er konnte durch das Geschrei in einem Spatzennest, im Gebälk direkt über der Orgel, nicht hören, wann er in der Liturgie an der Reihe war!

Gerade mit dem allem waren wir gerne Gäste dort und freuten uns später, dass wir als Erwiederung der Gastfreundschaft den Montagsgottesdienst der Thomas-Morus Gemeinde in der neugebauten Andreaskapelle aufnehmen konnten – bis heute! 

 

 

 

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